© pic by shutterstock.com/Have a nice day Photo

Homeoffice: Was sollten Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen beachten?

Auch im neuen Jahr hat die Coronakrise die Arbeitswelt fest im Griff. Nach der im November verabschiedeten Neufassung von § 28b Infektionsschutzgesetz (IfSG) gelten bundesweit die 3G-Regelung und Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Außerdem müssen Betriebe den Beschäftigten auch weiterhin ermöglich, im Homeoffice zu arbeiten, sofern es die Art der Tätigkeit zulässt und keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Bei Bürotätigkeiten oder Jobs, bei denen überwiegend am Computer gearbeitet wird, muss das Homeoffice in den allermeisten Fällen ermöglicht werden.

Beschäftigte müssen dieses Angebot grundsätzlich auch annehmen, sofern ihrerseits keine Gründe entgegenstehen. Das können zum Beispiel mangelnde räumliche oder technische Gegebenheiten in der Wohnung der Arbeitnehmer*innen sein. Wenn Beschäftige nicht im Homeoffice arbeiten möchten, genügt eine formlose Mitteilung an die Arbeitgeber*innen.
Diese Regelung gilt nach § 28b Absatz 7 IfSG bis zum 19. März 2022 – ob sie darüber hinaus noch verlängert wird, bleibt abzuwarten.

 

Muss das Homeoffice schriftlich vereinbart werden?

Nein, es genügt auch eine mündliche Vereinbarung. In der Praxis ist eine schriftliche Vereinbarung aber oft sinnvoll, um Unsicherheiten für beide Seiten zu vermeiden.

 

Gelten die vereinbarten Arbeitszeiten auch im Homeoffice?

Grundsätzlich gilt für die Arbeitszeit im Homeoffice nichts anderes als bei der Arbeit im Büro. Wenn die Arbeitszeit nicht schon vertraglich genau festgelegt ist, kann der/die Arbeitgeber*in die zeitliche Lage der Arbeitszeit festlegen.

Die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes gelten grundsätzlich unabhängig davon, ob zuhause, im Büro oder unterwegs gearbeitet wird. Auch im Homeoffice darf bzw. muss deshalb grundsätzlich nur acht Stunden am Tag gearbeitet werden. Die tägliche Arbeitszeit darf wie auch sonst auf maximal zehn Stunden verlängert werden, wenn sie innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen acht Stunden pro Arbeitstag nicht überschreitet. Im Einzelfall können z.B. Tarifverträge Ausnahmen begründen.

Um diese Vorschriften einzuhalten, ist es sinnvoll, eine Zeiterfassung einzurichten. So können Beschäftigte ihre Arbeitszeiten selbst erfassen und an das Unternehmen übermitteln.  Hierzu sind Arbeitnehmer*innen grundsätzlich auch verpflichtet (z.B. LAG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 15.09.2011 – 5 Sa 53/11). Die Verpflichtung zur Arbeitszeitenerfassung kann und sollte in einer Homeoffice-Vereinbarung geregelt werden. Arbeitgeber*innen sollten die Arbeitszeiten möglichst lückenlos dokumentieren. Außerdem sind Arbeitgeber*innen dazu verpflichtet, die Einhaltung der zulässigen Höchstarbeitszeiten – auch im Homeoffice – zu überprüfen.

 

Gilt der Arbeitsschutz auch im Homeoffice?

Ist im Homeoffice ein fester Arbeitsplatz eingerichtet und sind feste Homeoffice-Zeiten vereinbart, gelten für diesen sogenannten „Telearbeitsplatz“ die Vorschriften über eine Arbeitsstätte nach §§ 2 Abs. 7 ArbStättV. Doch auch wenn dies nicht der Fall ist, müssen die Vorschriften des Arbeitsschutzgesetzes, „ArbSchG“, eingehalten werden.

Danach haben Arbeitgeber*innen die erforderlichen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu treffen, die Arbeitsbedingungen zu evaluieren und Mitarbeiter*innen über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu unterweisen.

Beschäftigte müssen allerdings auch für ihre eigene Sicherheit sorgen, § 15 ArbSchG, und bei Arbeitsschutzmaßnahmen mitwirken, § 16 ArbSchG. Im Homeoffice sollten Beschäftigte daher besonders umfassend darüber informiert werden, wie sie selbst für ihre Gesundheit und Sicherheit sorgen können.

 

Dürfen Arbeitgeber*innen ihre Mitarbeiter*innen im Homeoffice kontrollieren?

Einen persönlichen Kontrollbesuch, um die Einhaltung der Arbeitszeiten oder Arbeitsschutzvorschriften zu überprüfen, dürfen Arbeitgeber*innen grundsätzlich nur mit einer Einwilligung der Mitarbeiter*innen durchführen. Denn die Unverletzlichkeit der Wohnung ist über Art. 13 GG grundgesetzlich geschützt. In einer Homeoffice-Vereinbarung können spezielle Zugangsrechte festgelegt werden.

Auch eine Überwachung mittels IT-Einrichtungen ist nicht unproblematisch. Werden private Arbeitsgeräte genutzt, hat der/die Arbeitgeber*in im Normalfall keine Möglichkeit, auf diese zuzugreifen. Wenn firmeneigene Geräte genutzt werden, kommt es darauf an, ob diese nur zu betrieblichen Zwecken genutzt werden dürfen, oder ob auch eine private Nutzung erlaubt ist.

Ist die private Nutzung untersagt, können beispielsweise Browserdaten und E-Mail-Kommunikation nach § 26 BDSG anlasslos ausgewertet werden (LAG Berlin-Brandenburg, Urt. v. 14.01.2016. Az. 5 Sa 657/15; LAG Köln, Urt. v. 07.02.2020, Az. 4 Sa 329/19). Ein heimliches Mithören von Telefonaten, Videoüberwachung oder GPS-Tracking sind aber nicht zulässig.

Wenn Mitarbeiter*innen die Dienstgeräte auch privat nutzen dürfen, ist eine Überwachung dagegen unzulässig und würde einen ungerechtfertigten Eingriff in die Privatsphäre der Beschäftigten darstellen. In diesem Fall gelten zudem die Vorschriften des Telemediengesetzes (TMG). Hier ist eine Überwachung nur ausnahmsweise möglich.

In einer Homeoffice-Vereinbarung kann geregelt werden, ob firmeneigene Laptops und Handy auch privat genutzt werden dürfen oder nicht.

 

Muss der/die Arbeitgeber*in die Kosten für Arbeitsmittel im Homeoffice übernehmen?

Sofern keine abweichenden Regelungen getroffen wurden, muss der/die Arbeitgeber*in die Kosten für Arbeitsmittel im Homeoffice tragen. Arbeitnehmer*innen können Anschaffungskosten für eigene Arbeitsgeräte grundsätzlich erstattet bekommen, sofern Unternehmen diese nicht bereitstellen. Das gilt auch für Betriebskosten wie Strom oder Wasser, die für die Arbeitsstätte zu Hause benötigt werden.

 

Wie wird der Datenschutz im Homeoffice sichergestellt?

Im Homeoffice müssen die Vorgaben des Datenschutzes ebenfalls eingehalten werden.

Verantwortlich dafür sind der/die Arbeitgeber*in und der/ die Arbeitnehmer*in. Sie müssen entsprechende technische Maßnahmen treffen und die Arbeit so organisieren, dass sie den Datenschutzregelungen entspricht. So muss der/die Arbeitnehmer*in z. B. dafür sorgen, dass Angehörige keinen Zugriff auf Firmen- oder Kundendaten erhalten. In einer Homeoffice-Vereinbarung können auch hierüber klare Regelungen getroffen werden.

 

Gilt die Unfallversicherung im Homeoffice?

Während des Homeoffice besteht Versicherungsschutz grundsätzlich im gleichen Umfang wie bei einer Tätigkeit im Büro.

Nach der früheren Rechtsprechung des Bundessozialgerichts wurde dabei zwischen Wegen, die im eigenen Haushalt beispielsweise zur Nahrungsaufnahme oder zur Toilette zurückgelegt werden, und Wegen, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit zurückgelegt werden, unterschieden.

Auch die Wege zur Kita oder Schule der Kinder der Beschäftigten waren nicht versichert. Durch das am 16. Juni 2021 in Kraft getretene Betriebsrätemodernisierungsgesetz wurde diese Regelung geändert* Nach der Neufassung von § 8 SGB VII sind mittlerweile Beschäftigte im Homeoffice genauso gut geschützt wie Beschäftigte die im Büro arbeiten, auch Wege im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung werden von der Unfallversicherung heute erfasst.

 

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links und Blogbeiträgen. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.“

MAYR Kanzlei für Arbeitsrecht Gb
Columbiadamm 29, 10965 Berlin +49 30 69 80 90 70
www.mayr-arbeitsrecht.de

Kommentare (2)

  • Birgit Scheuch
    am 16.03.2022
    Sehr schön anhand von realistischen Beispielen dargestellt. Alles abgedeckt. Top!
  • Arni
    vor 2 Wochen
    Hi,
    ich bin ein wenig irritiert ob des Artikels?!

    Der Artikel verspricht eine gleichbehandlung auf allen Ebenen - Alter, Geschlecht Qualifikation, kein Problem, uns interessierst nur DU bei der Bewerbung!

    Bei der Anmeldung zum SpeedRec fühle ich mich allerdings schon beim ersten DropDown (Deine Ausbildung) ausgegrenzt ob meines alters. Als etwas älteres, aber noch nicht veraltetes model ;) - um mal Arnold zu zitieren - fällt mir auf, dass sich diese anmeldung an ein junges publikum richten muss?. Denn es gibt schlichtweg keine möglichkeit für jemanden mit einem abgeschlossenen studium eine sinnvolle auswahl zu treffen, insbesondere nich, wenn man noch ein gutes altes Diplom gemacht hat.

    Unter - Deine Arbeit - wird als auswahl 1.Berufseinsteiger oder 2.YoungProfessional angeboten. Mit mehr als 10 jahren berufserfahrung und aus respekt zu meiner leistung würd ich mich hüten das anzugeben - da kommste dann als alter greis und bist noch YoungProfessional ^^ - naja zum lernen ist man ja nie zu alt, true true.

    "Wirst du aufgrund deines Alters, Geschlechts oder Aussehens in der Jobsuche benachteiligt? Bewirb dich jetzt beim STELL-MICH-EIN, um fair bewertet zu werden" (promo text)

    Ich sehe ein dass man bei einer bewerbung kriterien festlegen muss, aber wenn man sich schon neutral verkauft dann doch bitte nach vernünftigen, sachlichen und logischen gesichtspunkten.
    Entweder wurde die webseite von YoungProfessionals designed oder man ist auf der suche nach YoungProfessionals. Objektiv ist das nicht! oooder ... es ist DiversitätBotox!

    Also doch kein topf voll gold am ende des regenbogens für Arnold - IDK KEKW LOL <3
    Schö grüsse aus dem jahr 2022. tada da tada! :)

Neue Antwort auf Kommentar schreiben

Apply to DESIGNERDOCK!

Abonnieren Sie unseren Newsletter

WIR FREUEN UNS VON DIR
ZU HÖREN!

Kontaktiere uns ganz einfach über unsere Formulare, per E-Mail oder einen Anruf.